Es ist wirklich erstaunlich, wie im diesjährigen Wahljahr so null komma plötzlich sich fast alle Kandidaten zu klaren Klimaaktivisten  machen. Eine einzige löbliche Ausnahme scheint da die SVP zu machen: Ihre Volksvertreter vertreten sehr klar die Ansicht: Klimaerwärmung – vom Menschen erwirkt – gibt es nicht, basta. Ja mit dieser klaren Haltung muss man sich ja dann auch keine Sorgen machen, courant normal

Interessanter sind da die Kandidaten von CVP, BDP und FDP unterwegs. Sie scheinen sich, wie die NZZ von heute (10.9.19) zeigt, in den letzten 4 Jahren alle vom Saulus zum Paulus gewandelt zu haben. Für sie ist, glaubt man ihren Worten, der Klimawandel nun plötzlich ein wichtiges Thema. Konkret gefragt würde jetzt eine deutliche Mehrheit dieser Kandidierenden Ja sagen zu einer CO2-Abgabe auf Treibstoffen (s. Abbildung, NZZ 10.9.19).
Dabei zeigt sich deutlich, dass die Kandidierenden der Grünliberalen und Grünen bereits 2015 die gleiche haltung hatten wie heute. Die SP Vertreter ware auch schon weit klimanfreundlich und haben noch leicht zugelegt. Damit haben diese Parteien sich offenbar schon für das Thema eingesetzt, bevor es populär wurde und bevor man einfach nicht mehr anders konnte als zu sagen: “Ja klar, Klima ist ein Problem”.

Wenn es dann ernst gilt
Doch wenn dann die Nationalräte vor dem Abstimmungsknopf sitzen, ihre Lobbyisten auf der Empore zuschauen, dann scheint der gute Wille verflogen. Am gestrigen Sessionstag hat der Nationalrat so ziemlich alle Vorstösse zur Intensivierung von Klimaschutzmassnahmen versenkt. Das Emissionsziel (3% Reduktion pro Jahr), welches bloss dem Ziel des Klimaabkommen von Paris entsprechen würde, wurde genauso abgelehnt von SVP und FDP wie der Vorstoss für strengere Vorgaben für Neuwagen. Die Autoimporteure werden es verdankt haben!
Eindrücklich, wie Wahlkampffloskeln im Ratsaal plötzlich nichts mehr gelten (NZZ online).  

Einmal mehr zeigt sich: Was zählt, ist das Abstimmungsverhalten der Politiker. Alles andere ist Beilage.